Hunsrück – Willkommen im „Süden“

Ein Beitrag von Johannes Kormann mit einem Vorwort von LWA-Gründer Sebastian Schmidt.

Vorwort: Im Hunsrück hat für LWA alles begonnen – mit der ersten Hunsrück-Querung mit Packraft aus der dann unsere Multiday Kurse wurden. In den darauf folgenden Jahren wurde Land Water Adventures besonders durch die Menschen bestimmt, die sich als Team zu diesem spannenden Ritt zusammengefunden haben. Da ist es nur passend, dass es auch für Johannes mit LWA im Hunsrück begonnen hat.

Erstmalig haben sich die Wege von Johannes und Sebastian 2012 im Thüringer Wald gekreuzt, LWA gab es da noch nicht, Sympathie aber schon. Und nun, ein paar Jahre später freuen wir uns, den Wahl-Lappländer und mittlerweile erfahrenen Outdoor-Guide, der auch beim Thema Packrafting nicht unberührt ist, in unserem Team zu begrüßen.
Seine erste Aufgabe mit LWA hat er bei der frühsommerlichen Oster-Hunsrück-Tour angenommen, seit Ende dieser Tour trägt er den LWA-Hoodie. Was für ihn Süden ist, und wie es ihm dort ergangen ist, davon erzählt er hier.

Über den Autor:Johannes auf der Nahe © Land Water Adventures


Johannes ist schon lange draußen unterwegs und kann trotzdem nicht genug davon bekommen. Als ausgebildeter Wildnisführer und leidenschaftlicher Outdoor-Fotograf hat er sein Hobby zum Beruf gemacht.


Mehr über Johannes gibt es hier.

Es ist Ostern, Mitte April. In Lappland lag noch ein Meter Schnee, kurz vor der Abfahrt stand ich noch auf den Skiern. Jetzt stehe ich im Hunsrück, im T-Shirt, schwitze. Ich bin im Süden. Hier ist der Frühling in vollem Gange und wird sich auch für unsere 4-tägige Hunsrück-Tour von seiner besten Seite zeigen. Sonnig, warm und trocken. Das beste Paddelwetter. Und auch das beste und einfachste (am wenigsten herausforderndste) Wetter für die 10 Teilnehmer, welche größtenteils ihre ersten vorsichtigen Schritte im Packraften oder auch im Trekking machen. Im Draußen-Sein habe ich schon einige Erfahrungen gesammelt. Wandernd, rollend, gleitend, stapfend, schwimmend, jubelnd, fluchend. Mit und ohne Gäste. Doch auch für mich liegt hier viel Neues in der Luft, an diesem gemütlichen Campingplatz an der plätschernden Nahe. Ich bin Beobachter und Vorzeigender zugleich. Gespannt darauf, was Sebastian und Moni mir in ihrer LWA-Packrafting-Welt zeigen werden, und bereit, den Teilnehmern etwas von meinen Erfahrungen mitzugeben.

Packworkshop HR-3 © Land Water Adventures

Ein erster Vorgeschmack

Aber erstmal fangen wir vorne an. Vor jedem der gut gelaunten Teilnehmer liegt ein Haufen Ausrüstung und ein Rucksack in oder an dem irgendwie alles verstaut werden muss. Das ist vielleicht die größte Aufgabe beim Packraften. Die Entscheidung: Was nehm‘ ich mit? Was lasse ich da? Was kann ich für mehr als einen Zweck verwenden? Zur normalen Trekkingausrüstung kommen Boot, Paddel, Schwimmweste, Trockenanzug und ein Paar Schuhe zum Paddeln. Sebastian macht’s vor: Wie packe ich meinen Rucksack für die Wanderung und wie belade ich mein Boot für den Fluss. Mit Geduld und Kreativität setzen alle Teilnehmer seine Vorschläge um und versuchen, sie auf ihr Pack- und Ausrüstungssystem zu übertragen.

Dann ist es soweit – alles ist verstaut. Sicherlich ist bei dem ein oder anderen Rucksack noch Optimierungsbedarf, doch dafür haben wir noch 3 Tage unterwegs vor uns. Jetzt geht es erstmal zur kleinen Proberunde auf die Nahe und das heißt für mich und für die meisten Teilnehmer: die ersten Paddelschläge des Jahres. Und das fühlt sich gut an. Das Boot unterm Hintern und endlich wieder das Paddel im Fluss. Die nächsten 2 Stunden sind gefüllt mit Paddelübungen, Beherrschen des Bootes, halten im Kehrwasser. Bunte, fröhliche Gummiboote im strahlenden Frühlingsgrün. Ein entspannter Auftakt.

Unterwegs

Die Herausforderung wartet am ersten Tourtag. 12 km wandern durch den Hunsrück mit rund 25 kg Gepäck und danach 12 km paddeln, waten, treideln, tragen und krakeln entlang des Idar- und Hahnenbachs bis zur Schmidtburg. Die Sonne scheint, die Stimmung ist ausgelassen und entspannt. Bis zum Mittag haben wir die Wanderstrecke hinter uns gebracht, machen Mittagspause im Schatten am Idarbach und sind voller Vorfreude auf die nächsten 12 km auf dem Wasser.
Der Fluss führt zu dieser Jahreszeit schon weniger Wasser, aber immer noch genug für die Packrafts mit ihrem geringen Tiefgang. Obwohl das Wandern ein schöner Teil des Packraftens ist, genießt man doch jedes Mal den Moment, wenn das ganze Gepäck auf dem Boot verstaut ist und vom Wasser getragen wird.

Der Idarbach ist hier noch wildromantisch. Um uns rollen die Hügel des Hunsrücks, die Buchenwälder erwachen langsam aus dem Winterschlaf, die Weiden hängen tief hinunter in den Bach. Flache Treidelpassagen wechseln sich ab mit ruhigen, tiefen Abschnitten, kleinen Stromschnellen, Gestrüpp und umgefallenen Bäumen. Wer das Abenteuer sucht, muss nicht weit ziehen – hier kann man es finden.

Gegen Abend steuert eine Gruppe zufriedener, erschöpfter Packrafter auf dem Hanhnenbach durch das goldene Licht der untergehenden Sonne. Müde Beine, den ersten Sonnenbrand des Jahres und ein breites Grinsen im Gesicht. Wir halten am Fuß der Schmidtburg, tragen unsere Boote hinauf in den Burggarten und schlagen unser Lager in dieser surrealen Welt, zwischen längst vergangenen Zeiten und bunten Plastikbooten, auf. Allein schon für diese Atmosphäre hat sich der Tag für alle gelohnt.

Bunte Boote in der Ostersonne

Den zweiten Tag beginnen wir ausgeschlafen und mit dem gleichen strahlenden Sonnenschein. Alle Teilnehmer scheinen gut geübt im Abbauen der Zelte und im Zusammenpacken. Generell herrscht eine entspannte und ausgelassene Stimmung in der Gruppe. Es fühlt sich an, als wären wir schon seit Tagen zusammen unterwegs. Sebastian hat uns bereits am Vortag in 3 Gruppen unterteilt, welche jeweils von Moni, ihm und mir geführt werden. So sind wir flexibler auf den kleinen Flüssen und bei Umtrage- und Treidelstellen. Man merkt auch den Teilnehmern an, dass sie sich in den kleinen Paddelgruppen wohlfühlen.
Für mich ist das genau die richtige Position zum Eingewöhnen. Ich bin noch nicht gleich an erster Stelle und kann mir bei Moni und Sebastian einige Kniffe ihres entspannten und motivierenden Guiding-Stils abschauen. Gleichzeitig bin ich mit dem Führen von kleinen Gruppen in einem Element, in dem ich mich schon lange sehr wohl fühle.

Die ersten paar Kilometer schlängelt sich der Hahnenbach durch ehemalige Schieferbrüche (ungünstiger Stein für aufblasbare Boote) um die Schmidtburg. Immer wieder erhaschen wir Blicke auf die Ruine mitten im Wald. Wir passieren kleine Stromschnellen, die den Teilnehmern einen kleinen, aber feinen Vorgeschmack darauf geben, was mit diesen Booten noch alles so möglich ist, und erste Pläne für eine Fortsetzung beim Wildwasserkurs in Tirol oder auf der Soča werden gesponnen.

Am frühen Nachmittag erreichen wir unseren Ausstiegspunkt. Von hier führt der Hahnenbach zu wenig Wasser um weiter befahren zu werden. Also: pack your Raft. Die Boote sind schnell verstaut und nach einer ausgiebigen Pause zwischen Bach, Wald und Sonne machen wir uns auf zu einer kleinen abschließenden Wanderung entlang des Soonwaldsteigs, zum Campingplatz am Hahnenbach. Kaum ist die Sonne untergegangen, merkt man, dass der Sommer noch nicht ganz da ist. Die Nächte am Fluss sind feucht und kühl, doch wir haben unterwegs Feuerholz gesammelt und nun drängen sich die gut gelaunten Packrafter um das Feuer, durch die Nacht hallen Gelächter und Geschichten von früheren Abenteuern.

Zurück

Der Ostersonntag ist unser letzter gemeinsamer Tag unterwegs. Der Soonwaldsteig führt uns weitere 8 km nach Kirn, an die Nahe – die letzte Paddeletappe unserer Tour. Schon am Morgen brennt die Sonne heiß vom Himmel, daran habe ich mich immer noch nicht ganz gewöhnt. Ich wünsche mir manchmal einen Flecken Restschnee in den ich einfach den Kopf stecken kann. Umso besser fühlt es sich dann an, als wir endlich am Ufer der Nahe angekommen sind. Den Trockenanzug lasse ich für diese Abschnitt im Rucksack und genieße das kühle Nass, welches immer wieder ins Boot spritzt.

Die Nahe wartet auf diesem Abschnitt noch mit einigen schönen kleinen Stromschnellen auf uns. Für Sebastian ist das hier ein Heimspiel. Er zeigt uns die besten Stellen für Paddelübungen. Halten im Kehrwasser, Traversieren und sogar eine Welle findet sich zum Reiten, was von den Teilnehmern ausgiebig ausgekostet wird. Das Wasser lädt hier eindeutig zum Spielen ein.

Hunsrück Tour 3 2019 die Teilnehmer © Land Water Adventures

Wie schon die letzten Tage, ist es schwer zu sagen, ob die Zeit schnell oder langsam vergeht, so wie es auf einer guten Tour sein sollte. Soviel passiert in so kurzer Zeit und dadurch fühlt es sich an, als wäre man schon ewig unterwegs. Doch plötzlich schon treiben wir an der Übungsstelle des ersten Tages vorbei, rutschen das bekannte Wehr herunter und finden uns wieder am Ausgangspunkt unserer Tour – an diesem gemütlichen Campingplatz an der plätschernden Nahe.

Hier holt uns der Alltag wieder ein. Züge müssen erwischt und Autos gepackt werden. Für die meisten geht es am gleichen Tag noch nach Hause. Doch vorher lassen wir die letzten Tage noch zusammen Revue passieren und stellen fest, dass es für Alle vier erlebnisreiche, abenteuerliche, lehrreiche und doch entspannte Tage waren.

Ich für meinen Teil bin im Hunsrück angekommen. Und dank Monis und Sebastian offener und motivierender Art bin ich auch bei LWA angekommen.

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