Erste Hunsrück-Querung mit Rucksack und Boot: 3 Tage Abenteuer Land-Fluss-Trekking

Kurz nach dem Winter, in der Zeit, in der auch kleine Bäche befahrbar werden,
fand zum ersten Mal das Abenteuer Hunsrückquerung mit Teilnehmern statt: drei Tage in der einsamen, frühlingshaften Wildnis des Hunsrück. Im Rucksack hatte jeder von uns neben seiner Trekkingausrüstung ein Packraft: ein leichtes, robustes Rucksackboot.

Die hier beschriebene Hunsrück-Tour ist mittlerweile Teil der Land Water Adventures Tourangebote und findet jedes Jahr im Frühjahr und Herbst statt.

Nach den Erfahrungen und Rückmeldungen dieser ersten Durchführung haben wir die Tour um den Einführungstag erweitert, an dem wir alle zukünftigen Hunsrück-Querer mit einem Packrafting- und Equipment-Workshop auf und abseits des Flusses auf das kommende Abenteuer vorbereiten. Ihr müsst am ersten Tag zwar trotzdem früh aufstehen, aber nicht mehr so früh wie im Tourbericht erwähnt.

Mehr unter www.land-water-adventures.com/hunsrueck

Tag 1: Wecker, Vollmond und viel dazwischen

Um 4:30 Uhr klingelte für uns Guides der Wecker – starkes Indiz für ein anstehendes Abenteuer: Am Abend dieses Tages sollten wir bei Vollmond um ein Lagerfeuer sitzen während unser nasses Material an einer Burgmauer wieder trocknete. Davon waren wir hier aber noch viele Wander- und Bootkilometer entfernt.

Zunächst standen wir – wenige Stunden nach dem Aufstehen – mit unserern Teilnehmern bei Minusgraden und orangenem Sonnenaufgang an unserem Startpunkt im Hunsrück! Hunsrück? Zwischen Mosel und Nahe, im tiefsten Südwesten von Deutschland versteckt sich dieses dünn besiedelte Gebiet mit seiner urigen Natur. Es besteht aus zwei auf alten Quarzitgesteinen ruhende Höhenrücken: dem Idarwald, der bis ins Saarland hinunter reicht und dem Soonwald, der im Norden erst am Rhein abfällt. Dort, in dieser Abgeschiedenheit schlängelte sich durch das einsame und an seltenen Vogelarten reiche Hahnenbachtal unser Gewässer für die nächsten drei Tage.
IPackraft-Trekkingn der Morgensonne, als jeder Rucksack fertig gepackt und das Gruppenfoto gemacht war, war die Aufbruchsstimmung greifbar. Da es in einem Hunsrückdorf nicht lange braucht, bis man jenes kleine Refugium Zivilisation wieder verlassen hat, wanderten wir bald über von Raureif überzogene Wiesen vorbei an mehreren Mühlen – unter ihnen die Arbeitsstätte einer der wenigen verbliebenen Müllerinnen Deutschlands!

Wenig später trafen wir bereits den Hahnenbach, in den wir aber erst nach ein paar Wanderstunden einsteigen würden, drei trockene, sonnige Wochen und ein fast schneefreier Winter hatten beim Pegel ihre Spuren hinterlassen. Sich darüber beschweren fiel jedoch schwer – bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Jede Pause war das Ende einer weiteren Kleidungsschicht und bei Ankunft an der Einstiegsstelle kurz vor Mittag gab es Schokolade im T-Shirt!

Die Wiese sah kurz aus als sei ein großer Haufen Farbeimer explodiert – rote, gelbe, blaue und grüne Boote, Trockenanzüge, Rucksäcke und Paddel und alles in verschiedenen Kombinationen.
Wildwasser-PackraftingAls alle Boote fertig waren und unser Gepäck verstaut, schlängelten wir uns mit ein paar Zentimetern Wasser unter dem Kiel entlang des Wiesen-Baches. Das Wetter war traumhaft, die Landschaft glitt an uns vorbei – Kopf auf Höhe der Wiese – und die Begeisterung ließ nicht lange auf sich warten.

Die nach ersten Umtragestellen folgende Mittagspause markierte dann den Einstieg in den einsamsten, wildesten und abenteuerlichsten Teil der Tour. Die Rucksäcke wurden fest auf die Boote geschnallt, die kleine Straße neben dem Bach bog ohne uns in ein anderes Tal ab und wir waren ab hier nun ganz für uns. Das Tal wurde enger, teilweise schluchtartig und die Hindernisse nahmen zu. Der erste richtige Test für die Trockenanzüge: 7° Wassertemperatur und hüfttiefes Wasser. Warm war’s nicht, trocken schon. Später wurden Tal und Bach dann wieder breiter. So kam es, dass bunte Menschen in einem steinigen Flussbett ihre Boote „Gassi führten“.

Später gegen Nachmittag wurde es dann noch einmal wild: hier und da waren Bäume im Weg und manchmal das Wasser zu flach. Das änderte sich nach einigen Zuläufen vor unserem Tagesziel, einer Burg mitten im Hunsrück: Mit genug Wasser unter dem Boot und langsamen, idyllische Stellen, um die Natur zu genießen, klang der Flussabschnitt des ersten Tages gemütlich aus.

wa-00012In der Abendsonne war dann schon die Anlandestelle sichtbar. Wir stiegen aus – mit Blick auf unser Nachtlager, das 100 Höhenmeter über uns auf dem Berg thronte – sattelten die Boote über die Schulter und erklommen den Burgberg. Vermutlich kein häufiger Anblick für Fuchs und Hase kurz vor dem Gute-Nacht sagen. Bald hing das Material zum Trocknen an der Burgmauer, wir steckten in trockenen Sachen, saßen mit dampfendem Essen bei Vollmond um das Lagerfeuer und erzählten uns von den Heldentaten unseres ersten Tages.

Tag 2: Vom gemütlichen Burgfrühstück in die Trockenanzüge

Wetterprognose für den zweiten Tag: Regen. Also kurz Nase aus dem Biwaksack gehalten: Sie kam trocken zurück, hell war es auch und bald brannte das Lagerfeuer. Langsam aber sicher kamen die Teilnehmer aus den Zelten und ums Feuer. Gemütlichkeit war das Credo des Morgens: gemeinsame Burgbesichtigung, Wasser auffüllen an der Felsquelle und ein langes Frühstück.
Packraft-TrekkingSpäter, gleich nachdem wir wieder in unseren Trockenanzügen steckten, kam dann doch der angekündigte Regen. Lange blieb er aber nicht. Das Vorbereiten und Einsetzen der Boote verlief schon routinierter und mit genug Wasser folgten wir dem Bach in einer langen Schleife um den Burgberg. Die Schwallstellen wurden etwas schwalliger, die Strömung schneller und die Ast- und Baumhindernisse weniger.

Nach der Burgschlucht hinaus im unteren Hahnenbachtal wurde der Fluss erst einmal breit, tief, und sehr langsam. Das Rauschen vor uns war nun nicht mehr zu überhören – unser Action-Photo-Wehr kam näher. An idyllischen kleinen „Parkbuchten“ zwischen alten, übermoosten Weiden direkt am Ufer machten wir unsere Boote fest und schritten zur Begutachtung der Stelle und Besprechung der Linie. Es dauerte nicht lange und einer nach dem anderen „stürzte“ sich hinunter.

Packraft-TrekkingWas folgte war Genussfahrt mit einigen Wildwasserstellen, Schwällen und gelegentlichem Treiben-Lassen, bis wir genug Hunger für eine ausführliche Mittagspause hatten. Gemütlich empfing uns an unserer Anlegestelle eine kleine Fichten-Schonung. Eine Weile verging bis alle aus den Trockenanzügen geschält waren, alles Equipment verstaut war und vor jedem von uns ein dampfender Topf stand – diverse Variationen von der Nudel – gereicht an aufklarendem Himmel und dem ein oder anderen Sonnenstrahl. Yey! Die Beine waren den ganzen Morgen geschont worden. Nun hieß es sie einzusetzen: Ein paar Kilometer Wanderung zum zweiten Lagerplatz lagen vor uns: ein noch geschlossener Zeltplatz, der vollkommen uns gehörte!

Vom Fluss kommend muss man sich Ausblick verdienen und so standen erst einmal einige Höhenmeter an! Einzige Rettung gegen den schweren Rucksack – die Schokoladenvorräte reduzieren, bei Pausen mit Ausblick ins Hahnenbachtal.

Mit der Ankunft am Lagerplatz begann der ruhige Lagerfeuerabend auf einem Stück Wiese am Bach. Die Zelte waren schnell aufgebaut und so saßen wir bald mit ankommender Dunkelheit um das knisternde Feuer.

Lagerfeuer_auf_TourSpäter verabschiedete sich einer nach dem anderen in den Schlafsack und irgendwann saßen wir nur noch zu zweit – vor uns die Glut des ausgehenden Lagerfeuers und hinter uns der rauschende Bach.

 

Tag 3: Höhenmeter, gemütliche Bootsfahrt auf der Nahe und Wildwasserspiele in der Abendsonne

Waren die Meinungen zur Qualität des Nachtschlafs in der ersten Nacht noch gemischt, so schienen heute alle wunderbar genächtigt zu haben. Ganz unschuldig war der gleichmäßig rauschende Bach da sicher nicht.

Wir sahen uns beim Frühstück jedenfalls einer munteren, ausgeschlafenen Gruppe gegenüber, die sich ums Feuer versammelte, um diverse Müslivariationen zuzubereiten. Von einem Teilnehmer gab es sogar Ingwer-Tee von der mitgebrachten Knolle!

Viel Packerei war nicht zu tun. Wir waren ja abends im Trekkingmodus angekommen und die Boote blieben für das erste Stück im Rucksack. Diesen geschultert stiefelten wir los: Vor uns lag ein Vormittag auf dem höhenmeterreichen Soonwaldsteig mit sehr schönen Ausblicken auf Hahnenbach, Kirn und das Nahetal.

Die letzten Snackvorräte wurden aufgebraucht – von unserem begeisterten Geo-Cacher nebenbei noch zwei Caches geloggt – und relativ bald waren wir dann auch schon an der Nahemündung des Hahnenbaches. Dort, an einem Stein- und Wiesenufer bei Kirn, hatten wir zum einen unsere verdiente Mittagspause, aber auch gleich nach Aufblasen der Boote kleine Fans gewonnen.
Hier hatten wir beim Mittagessen Zeit, uns auf 12km Nahetal mit einigen Schwallstellen und ansonsten langer Genussfahrt zu freuen. Also los auf die Nahe. wa-00028Die Landschaft änderte sich langsam: Vom recht steilen Hahnenbachtal zog uns der Fluss in sanfterer Natur langsam unserem Ziel entgegen. An zwei Wehren bot sich die Gelegenheit für Wildwasserspiele. Die Teilnehmer hatten den Dreh schnell raus: Surfen war angesagt, möglichst freihändig! Das Resultat nach fast zwei Stunden auf dem letzten Kilometer war viel Spritzwasser im Boot, kalte Hinterteile und grinsende Gesichter. Zitat eines Teilnehmers: „In meinem Boot kann man Boot fahren“.

Pünktlich zum Abschluss kam mit voller Wucht die Sonne durch und hat uns den Abschied vom Fluss schwer gemacht: jede kleine Welle wurde nochmal zum Surfen genutzt. Aber das Picknick wartete auf uns! Also haben wir im schönen Monzingen angelegt. Ein letztes Mal hieß es nun raus aus den Trockenanzügen und kurz das Boot streicheln, an das wir uns nach drei intensiven Tagen gewöhnt hatten.
wa-00031Uns als Guides hat die Tour riesigen Spaß gemacht! Großer Dank gilt den Menschen, die das durch persönliches Engagement möglich gemacht haben. Marc und Sven vom Packrafting-Store für einwandfreies Leihmaterial sowie Unterstützung im Vorfeld, dem Burgvogt im Hahnenbachtal, dem Chef vom Zeltplatz für seine Unterstützung außerhalb der Saison, Dado als Co-Guide, Silja für super Logistik und Unterstützung bei der Konzeption und natürlich unseren motivierten, offenen und abenteuerlustigen Teilnehmern!

 

 

 

 

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