„This one is impassable“ – Island Packrafting Expedition 2018

Der starke Wind des Vorabends hat sich gelegt.

Alles sieht danach aus, als sei das der Morgen eines eher kurzen Tages. Über die vergangenen 4 Tage haben wir uns bei, für isländische Verhältnisse, gutem Wetter einen Puffer erarbeitet und müssen nun nur noch ein Stück zum nächsten Fluss.
Als wir wieder gegen 8 Uhr mit gepackten Rucksäcken zusammenstehen kennt noch keiner von uns – und auch nicht die Karten – den Canyon, der unsere Route ändern wird, wir haben den feinen Lavasand noch nicht in jeder Ritze unserer Zelte, den uns die starken Böen heute Abend bringen werden und wir haben den reißenden Bach noch nicht gesehen, gegen dessen Querung zu Fuß oder in den Packrafts wir uns entscheiden werden. Wir sind auf Expedition und dieser Tag wird uns das noch einmal deutlich vor Augen halten.

Scouting auf Island © Land Water Adventures

Dieses Kapitel und alle weiteren der diesjährigen Island-Expedition sind noch ungeschrieben, als uns ein Offroader zu unserem Dropoff-Punkt bringt. Aussetzt. Satelliten-Tracker an, wir machen ein Gruppenfoto und bald ist jeder in eigenen Gedanken während wir die ersten Schritte von 7 autarken Tagen gehen, in denen wir vorhaben, über Wasser und Land nach Süden zu kommen, heraus den Highlands an den Küstenstreifen Islands. Wie sie sich anfühlen, diese ersten Schritte eines Abenteuers, ist für jeden anders, für das Guide-Team sind sie das Ende von viel Planung und Organisation und der Beginn einer Reise, die wir gemeinsam mit den Teilnehmern Tag für Tag schreiben.

Nicht lang nach diesen ersten Schritten, am Ende des zweiten Tages – hinter uns liegen schon Flüsse und Seen, mit den Packrafts paddeln, treideln und sie tragen, Schneefelder und bunte Schwefelberge – füllt Berit einen Packsack mit Eis und wir schauen fragend zu. Erst als sie 6 kleine Dosen mit Secco und französische Mini-Törtchen herausholt wird uns klar, warum ihr Rucksack so schwer war. Wir sitzen bald vor den Zelten zusammen und feiern ihren Geburtstag. Begonnen hat er mit einem Brownie vom Guide-Team, Kerzen auspusten und Glückwünschen der ganzen Gang am Morgen.

My tent is my castle © Land Water Adventures
Solche kulinarischen Momente werden die Tage immer wieder besonders machen. Die Bilanz am Ende der Expedition: Zwei Mousse au Chocolat, eine Amaretto Creme, eine Blaubeersuppe und viele weitere kleine Highlights zwischendurch. Danke an die Teilnehmer dafür, all das über die Berge zu tragen.

Und nun, am fünften Tag stehen wir vor diesem Canyon. Peter ist gerade vorn und damit der erste, der das Wasser sieht, welches sich, aus dem Gletscher kommend durch die Moräne eine Schlucht gefressen hat. Während ich auf ihn auflaufe, schaut er mit einem ernsten Lachen zurück und sagt „This one is impassable“. Ein rauschendes Inferno, die andere Seite könnte auch 2 Kilometer weg sein statt der 5 Meter und auf den aktuellsten Karten gibt es ihn nicht einmal. Dort ist diese Moräne noch ein Gletscher. Und wir stehen darauf.

Gute Zeit für eine Pause, während neben uns zwei Wasserfälle die Abbruchkante hinunterstürzen. Es gibt wenig bessere Momente für die Packung M&Ms, die Moni dort auspackt.

Wildfluss auf Island © Land Water Adventures

Wir werden uns den größten Teil des Vormittag einen Weg hindurch suchen, viel scouten, oft grübeln, viele kleine Entscheidungen treffen, unseren Tourpuffer aufbrauchen, am Ende auf der anderen Seite sein, gut über einen Rücken kommen, den wir auf der Karte seit zwei Tagen ehrfürchtig als „The Wall“ bezeichnet haben und am Abend bei wenig Wind in der Sonne sitzen, lachen und erzählen. Bevor die Böen beginnen, die uns den Sand in jedes Stück Equipment blasen. Aber da liegen wir schon in den Zelten.

Packrafting-Camp für eine Nacht auf Island © Land Water Adventures

Der nächste Tag wird uns für all die Mühen entlohnen. Das Gelände beginnt sich zu verändern – wir sehen die ersten Anzeichen der Vegetation von Thorsmörk. Die Mondlandschaft der ersten Tage liegt nun hinter uns. Wir wandern auf dicht bemoosten Hügeln dahin. Bis das Gelände noch einmal steil abfällt, hinein in unseren nächsten Flusstag. Es folgen 100 Höhenmeter abwärts, die wir uns durch dichten Birkenwald kämpfen, Paddelenden bleiben an Ästen hängen, immer wieder geht es steile Absätze herunter und wir können nur durch Rufe in Kontakt bleiben, so dicht ist das Gestrüpp.
Hätte uns jemand gesehen, er hätte vermutlich gelacht, wie eine kleine Gruppe aus einer grünen Wand raschelnder Birkenzweige wieder ans Licht kommt.

Isländisches Wildwasser Packrafting © Land Water Adventures
Und plötzlich stehen wir auf einer kleinen Kiesbank einer tief eingeschnittenen, wunderschönen Felsschlucht, aus der der Bach links angerauscht kommt, und in die er rechts wieder verschwindet. Wir bleiben eine Weile an diesem magischen Ort bevor uns der kleine, klare Bach hinaustragen wird und sich vor uns die bewaldeten Hügel von Thorsmörk zeigen.
Nach 6 Tagen, am Ende dieses Flusses neben blau leuchtenden Lupinen, treffen wir auf die ersten Zeichen von Zivilisation als wir einen Wanderweg kreuzen.

Packrafting Island © Land Water Adventures

Kurz darauf verschwinden wir in die angrenzenden Hügel und ein paar Abenteuer liegen noch vor uns. Wir werden am nächsten Tag um 4:30 Uhr bei Sonnenschein aufstehen und 35 Kilometer mit unseren kleinen Packrafts in einem riesigen Flussbett vorbei am Eyafjallajoekull fliegen bevor wir am Nachmittag an einem der vielbesuchtesten Wasserfälle Island wieder auf die Zivilisation treffen und die Welten wechseln werden.

Ein wenig Lavasand ist da noch in unseren Gesichtern.

Trekking in der Lavawüste Island © Land Water Adventures

Über den Autor:


Sebastian, Leiter der Expedition und im Grunde zufrieden, solange es genug Wasser und Schokolade gibt. Mehr über Sebastian gibt es auch hier.

Auch 2019 nehmen wir wieder eine kleine Gruppe erfahrener Outdoorer mit zu den Lavafelsen, Elfen und Wasserfällen auf Island-Packrafting-Expedition.


Zur Ausschreibung:

https://www.land-water-adventures.com/island

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