Salza – An Tag 1 schon im Paradies

Die Vorstellung, mit LWA mal wieder neue Gewässer zu erkunden, hat verständlicherweise einen gewissen Reiz. Und mit Andi und Bjarne als Wildwasser-Guides ist der Spaßfaktor vorprogrammiert. Daher hatte sich bereits im Vorjahr am Lagerfeuer der Soča ein festes Grüppchen wellenbegeisterter Packrafter zusammengefunden, die am Pilotprojekt Salza 2022 teilnehmen wollten. Zur Abwechslung warteten mal keine knisternde Isomatte und Zeltromantik, sondern Hüttengaudi und gemeinsame Kochabende auf die Teilnehmer.
Als wir bei der Ankunft feststellen, dass die gesamte Gruppe aus altbekannten Gesichtern besteht, ist die Freude groß. Innerhalb weniger Minuten werden Liegestühle zusammengerückt, Kaltgetränke serviert und der Urlaub kann beginnen – obwohl die Guides noch paddeln sind und auf sich warten lassen.

Über die Autorin:

Mareike hat, zusammen mit ihrem Mann Jens, 2017 zum ersten Mal bei uns in einem Packraft gesessen. Diese Premiere hat die beiden so sehr begeistert, dass kurz darauf zwei bunte Boote bei ihnen einzogen und wir sie seither regelmäßig auf unseren Kursen und Touren, zuletzt meist in den wilden Wellen der LWA-Locations, begrüßen dürfen. Und so freuen wir uns sehr, dass sich Mareike und Jens gleich auf Andis Idee einer Wildwasser Woche an der Salza eingelassen haben, und wir heute Mareikes persönliche Sicht auf eben diese Pilottour lesen dürfen.


Vielen Dank, Mareike! Und bis bald wieder in den Wellen

Das Tal der Salza war mir vorher gänzlich unbekannt. Und trotz Hauptsaison kann man den Eindruck gewinnen, dass es nicht nur mir so geht. Denn an diesem beschaulichen Fleckchen Erde ist ziemlich wenig los, Touristen sind nur spärlich verteilt und eine idyllische Ruhe hängt über dem Tal. Willkommen in der regenreichsten Region Österreichs! Nach einem mehrfach LWA-erprobten und für gut befundenen Begrüßungs-Bolognese-Gelage werden die Pläne für Tag eins auf dem Wasser geschmiedet und die Vorfreude steigt.

Am Morgen werden wir mit strahlendem Sonnenschein begrüßt – so wie jeden Tag der restlichen Woche. Am ersten Einstieg stellen wir fest, dass die Salza problemlos mit der Soča mithalten kann – glasklares Wasser und türkisblaue Wellen schaukeln einladend umher und die Wassertemperatur wird von den Teilnehmern zwischen „och, das geht aber“ bis „da war‘s ja beim Untergang der Titanic wärmer“ eingeordnet. So oder so stürzen sich alle begeistert mit mehr oder weniger Wasserkontakt in die Gummiboote und los geht’s. Kurze Zeit später haben wir die Gischt im Gesicht und passieren johlend die ersten Wave Trains, es erwartet uns Wildwasser II-III mit einer III+ Stelle auf einer insgesamt knapp 14km langen Strecke. Nach der Mittagspause wird der Fluss immer schmaler, die Felswände höher und wir fahren durch eine landschaftlich beeindruckende Schlucht. Von wegen regenreichste Gegend Österreichs – wir sind im Paradies!

Weniger paradiesisch ist der Rückweg vom Ausstieg bis nach Hause. Angekündigt war ein 1,8km langer Fußmarsch, der bei näherer Betrachtung der recht Andi-optimistischen Berechnung nicht standhält. Eine Meuterei kann allerdings abgewendet werden, indem man uns selbstgemachte Mousse au Chocolat für den Abend verspricht. Wir sind eben alle bestechlich.

Tag 2 verspricht ähnlichen Paddelspaß und das Wetter lässt uns weiterhin nicht im Stich. Wieder ein herrlicher Tag mit Wildwasser II-III und türkisklaren Wellen. Highlight des Tages ist der große Schwall – nach dem Briefing des Vorabends erwarten wir einen mindestens meterhohen Wasserfall. Von außen sieht er bei Niedrigwasser gar nicht so schlimm aus. Aus dem Boot ist die Perspektive dann wie so oft doch eine andere und die Meinung wird wieder revidiert. Egal ob man auf der perfekten Welle surft oder den Schwall kopfüber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, jeder Packrafter wird von der Gruppe jubelnd im Kehrwasser empfangen.

Während der Mittagspause an einem ruhigen, herrlichen Strand scheiden sich die Geister bezüglich der Wassertemperatur erneut. Manch eine hüpft im Bikini und manch einer in Thermoklamotten plus Trockenanzug ins Wasser. Egal wie – Spaß macht es sowieso. Der Tag endet erneut ausgelassen, diesmal am Grill, im hübschen Garten unserer Hütte mit Aussicht auf die Berge.

Tag 3 wird ein Bummeltag. Nach zwei wilden Ritten haben wir uns das verdient. Nach der fröhlichen Hüttengaudi des Vorabends ist das vielleicht auch besser so. Und so fahren wir eine längere Strecke flussaufwärts, um die Boote in ruhigerem Wasser einzutauchen – so weit oben sind wir mutterseelenallein. Die nächsten 6km hauen uns buchstäblich um. Wenn Tag eins das Paradies war, was ist dann das? Paradiesischer? Hundert Meter hohe Felswände säumen den Graben zu beiden Seiten, dazwischen die hier noch flache, aber bezaubernde Salza und wir als bunte Punkte mittendrin. Ein gemütliches Dahintreiben im und neben dem Boot. In der Mittagspause wird in der Sonne gedöst und von der Landschaft geschwärmt – und Andi sagt: „Ist ganz schön hier, oder? Aber die wirklich schöne Schlucht kommt erst noch…“ Anteasern kann er ja, das muss man ihm lassen.

An Tag 4 sind wir noch gesättigt von österreichischen Mehlspeisen des Vorabends und hochmotiviert, die angefutterten Kilos wieder loszuwerden. Heute steht die große Schlucht vor unserer Haustür auf dem Plan. Langsam wird es schwierig mit den Superlativen. Paradies, paradiesischer, am paradiesischsten? Eine bizarre Schönheit mit Wildwasser III.

Was will man mehr. Man kann sich gar nicht entscheiden, ob man Paddeln oder in die Landschaft schauen soll. Die Vielzahl an Surfwellen, Whirlpools, Wave Trains und Schwällen lenkt den Fokus aber doch irgendwann gezwungenermaßen eher aufs Paddeln.

Hier kann man sich richtig austoben und die Krone des täglich gekürten Kenterkönigs wird weitergereicht. Und wer nicht genug hat, klettert auf eine der Klippen und wagt den Sprung ins Wasser aus schwindelerregender Höhe. Äquivalent zur Wassertemperatur gehen hier die Meinungen ein weiteres Mal auseinander und variieren von „das ist doch gar nichts“ bis zu „das sind mindestens 30 Meter“. Objektiv und von unten betrachtet könnte ich eine halbwegs präzise Schätzung abgeben, aber man muss ja auch nicht alles preisgeben.

Der Paddeltag läuft nach diesem Spektakel ruhig aus, die Strömung wird immer schwächer und wir landen schlussendlich im Stausee. Auf den letzten Metern macht sich Bjarne Freunde, weil er manche Personen an seine Rettungsleine hängt und mehrere hundert Meter weit über den See zieht. Auf den letzten Metern macht sich Bjarne allerdings auch Feinde, weil er andere Personen eben nicht an seine Rettungsleine hängt und zieht. Pläne werden geschmiedet, wie man den Guide aus dem Boot holen könnte. Denn eines fällt immer wieder auf: Diese spezielle Spezies der Wildwasserguides ist auffallend wasserscheu.

Eine Gruppe PackrafterInnen unterwegs auf der Salza

Vergessen sind die Racheakte jedoch am Abend, als der Schwabe der Gruppe selbstgemachte Käsespätzle serviert. Da kann man nur noch guter Laune sein.

Tag 5 – verrückt – und schon ist der letzte Tag angebrochen. Das ging viel zu schnell, gefühlt sind wir gestern erst angekommen und haben das erste Kaltgetränk im Liegestuhl geschlürft. Um die Woche gebührend ausklingen zu lassen gibt es heute nur noch Highlights. Man könnte meinen, dass das irgendwann langweilig wird. Ist aber nicht der Fall, es macht sich nur ein gewisser Übermut breit. Der Paddeltag beginnt mit dem zweiten Teil von Tag eins und endet mit der Schlucht vom gestrigen Tag. Das heißt 13km Spaß pur. Und drei Paddelschläge später ist es trotzdem schon wieder vorbei.

Das Salzatal, angeblich so regenreich, hat uns eine Woche lang mit Sonne beglückt und viele neue Paddelerlebnisse beschert. Und so gehen wir alle nach einer sportlichen, spaßigen und spektakulären Woche etwas schwermütig am Samstag auseinander. Vielleicht aufgrund der kulinarischen Auswüchse auch etwas schwerfällig.

Eines steht jedenfalls fest: Das war sicherlich nicht unser letzter Ausflug ins Paradies.

Ruhig liegen eine Handvoll bunter Packrafts am Ufer der türkisfarbenen Salza

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