Singing in the rain: Soča Advanced 2018

Zugegeben: Natürlich wünschen wir uns für einen Advanced-Kurs erhöhte Pegel. Das geht im Soča -Tal nicht ohne Regen. Den wünschen wir uns zwangsläufig also auch. Und wissen gleichzeitig, dass Vorsicht mit solchen Wünschen angebracht ist.

Hier und jetzt ist es Samstag, Andi und ich sitzen in einer Saune in den österreichischen Alpen, das Soča-Tal ist über den Berg und draußen regnet es in Strömen. Eigentlich schön. Aber schon wieder? Wir haben beide noch das laute Rauschen vom letzten Jahr im Ohr, als starker Regen kurz vor Kursstart alle Bäche des Tals auf unfahrbare Pegel hat anschwellen lassen. Aus dem ersten Advanced-Kurs-Start, lange mit Ideen gefüllt, wurde dann einer der bis dato ungewöhnlichsten Kurstage.

„Wir haben beide noch das laute Rauschen vom letzten Jahr im Ohr, als starker Regen kurz vor Kursstart alle Bäche des Tals auf unfahrbare Pegel hat anschwellen lassen.“
Rückblick: Im letzten Jahr floss einiges an Regen durch das Tal. Bedingungen, um sich die Wellen nur vom Ufer anzuschauen.

Mit einer Hochwasser-Scouting-Session, gemütlichem Abendessen mit Urwald-Feeling im Camp Lazar und Ukulele-Jamming mit Eric, früher Rockstar und 2016 das erste Mal lachend in unserem Camp für einen Wildwasser Packrafting Kurs aufgetaucht.

Was man so macht, wenn einen das Wasser nicht aufs Wasser lässt – Danke Eric!

Das war alles sehr schön, aber unsere Teilnehmer reisen ja schon auch irgendwie zum Paddeln an. Das haben wir natürlich auch noch gemacht und nicht zu knapp. Es hat aufgeklart im Tal, wir haben beeindruckt auf die ersten schneebedeckten Gipfel geschaut und uns am nächsten und den Tagen darauf in die mannshohen Wellen begeben und genossen, dass der Bach zwar voller Wasser, aber was andere Paddler anging relativ leer war.

Soča bei Mittelwasser
Wucht

Ein Jahr später

Hier und jetzt und wir sitzen immer noch in der Sauna und es regnet: Noch immer. In diesem Jahr jedoch wirkt der Regen freundlicher. Und hier ist es warm. Das lässt sich aushalten. Wir haben in den offenen Kursen fast 40 Teilnehmer durch die Schluchten von Soča und Koritnica geführt und nun kommen sie bald an, die wilden Fortschritt-Packrafter. Als dann am nächsten Tag unser erster Teilnehmer Erik (keine Ukulele, dafür Weltenbummler) an den Camper klopft, sind die Wolken schon weg, die Sonne scheint und rauschendes Mittelwasser lädt uns ein.

„Bei ihrer vorsichtigen Frage, ob sie die mal spielen dürfte hat keiner von uns geahnt, was an musikalischer Klasse auch in diesem Kurs wieder auf uns wartet.“

Weniger als 24h später sind wir dann auch schon drin und Marleen entfährt ein „ok, wow, das geht ja tatsächlich anders los hier“ als Andi mal wieder augenzwinkernd alle in ein rauschendes kleines Kehrwasser auf der Koritnica lockt. Advanced-Einstieg nach unserer Vorstellung.

Steffen und Marleen nach dem Direkteinstieg in die Koritnica

Es ist mittlerweile schon dunkel, die Koritnica hat uns wieder ausgespuckt, wir sind geduscht und Marleen hat wohl beim Vorbeigehen im hell erleuchteten Camper meine Gitarre gesehen.

Bei ihrer vorsichtigen Frage, ob sie die mal spielen dürfte hat keiner von uns geahnt, was an musikalischer Klasse auch in diesem Kurs wieder auf uns wartet. Nach Eric im letzten Jahr nun schon wieder, wir buchen das bitte für jeden Kurs.

Im letzten Jahr hat Marleen das noch für sich behalten, als sie mit Steffen, ihrem Mann, mit dem sie zusammen das Kalari-Zentrum  betreibt, bei einem offenen Kurs bei uns war.

Steffen und sein neuer Schnegel

Seit dann Steffen in diesem Frühjahr bei seinem ersten Multiday Kurs Hunsrück-Tour das erste Mal unser Alpackalypse-Demoboot, von Susanne liebevoll „Schnegel“ (Wikipedia-Link zum Schnegel-Tier) getauft, gefahren hat, hat es ihn scheinbar nicht losgelassen. Er hatte es sich für den Kurs als Miet-Raft gewünscht und noch bevor wir den Aufstieg zur Koritnica-Schlucht hinter uns hatten, ist er seine erste langfristige Packraft-Beziehung eingegangen und hat den Schnegel zu Seinem gemacht.

In der Folge hat Steffen dann den LWA Pavillion zur mobilen Werkstatt umfunktioniert und mit großer Freude an seinem neuen Raft gebaut und verändert. Und ich war froh, dass ich doch den Großteil der LWA Werkstatt mit ins Soča-Tal genommen hatte.

Improvisierte Werkstatt unter dem LWA Pavillion

Gelegenheiten, die Umbauten auszuprobieren gab es dann an den folgenden Tagen genug.

Bunkerschwall mit Dampf
Scouting: Am Ufer stehen und über Wasser reden

An der oberen Soča und einem Bunkerschwall mit ordentlich Dampf und langem Scouting vorab, natürlich Friedhofstrecke und am letzten Kurstag das schwer zu toppende Highlight: Abseilstrecke mit Durchfahrt unter der Napoleonbrücke bei perfektem Pegel, fahrbar, aber anspruchsvoll. Marleen musste an diesem Tag leider schweren Herzens aussetzten, ohne sie vom Ufer hätte es jedoch weder diese tollen Fotos, noch den lachend freudigen Empfang am Ausstieg gegeben.

Wir kleinen Packrafter kurz vor der Napoleonbrücke

Schon waren sie vorbei, die 5 Tage Advanced Wildwasser Packrafting. Trotz schon einbrechender Dunkelheit und nur schummerigem Licht im urig gemütlichen Camp Lazar, bei leckerem Essen waren die leuchtenden Augen zu sehen und die Euphorie zu greifen, die diese Gang durch eine intensive Woche getragen hat.

So hatten Andi und ich uns einen Fortschritt-Kurs vorgestellt: Regen vorm Kursstart, aber nicht zu viel, eine kleine Gruppe voller Actionsuchender, gemütliche Abende am Lagerfeuer, hochklassige musikalische Untermalung und hier und da Eintauchen in die slowenischer Küche. Und natürlich intensive Tage im Wildwasser und zu Fuß in den Schluchten der Täler.

„Im urig gemütlichen Camp Lazar, bei leckerem Essen waren die leuchtenden Augen zu sehen und die Euphorie zu greifen, die diese Gang durch eine intensive Woche getragen hat.“

Garantieren können wir diese Kombination nicht immer. Aber garantiert und wie immer freuen wir uns schon auf nächstes Jahr, wenn wir aus der Sauna raus aufs Wetter schauen und uns fragen, wie sie wohl werden wird, die nächste und dann wieder für ein ganzes Jahr letzte Woche mit wenigen, angenehm verrückten Wildwasser-Paddlern in unserem Lieblingstal zwischen den türkisen Flüssen.

Andi und Sebastian im Regen
Der Bunkerschwall-Tag: Peter war da schon nicht mehr dabei, er musste nach dem zweiten Kurstag aussteigen. Seine Hoffnung dass eine vorherige Handgelenksverletzung weit genug ausgeheilt war, hatte sich nicht erfüllt.

Das war auch für Andi und mich ein toller Abschluss von 4 intensiven Wochen im Soča-Tal. Danke an actionhungrige, energiegeladene sympathische Teilnehmer!

Über den Autor: Sebastian, Gründer und Inhaber von Land Water Adventures und im Grunde zufrieden, solange es genug Wasser und Schokolade gibt. Mehr über Sebastian gibt es auch hier

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