LWA Naturschutz © Land Water Adventures
Albanien,  Hinter den Kulissen,  Wildwasser-Touren & -Kurse

Naturschutz bei Land Water Adventures

Ein Beitrag von Susanne Blech, der ehemaligen LWA-Ansprechpartnerin für Naturschutz mit einem Vorwort von LWA-Gründer Sebastian Schmidt.

Vorwort – Warum uns der Erhalt von Wildnis wichtig ist: Ob auf Land oder im Packraft, für uns geht von unberührten Orten, von Wildnis und ungezähmter Natur ein ganz besonderer Reiz aus. Das sind die Orte, an die es uns zieht und an denen wir unsere Abenteuer planen. Das besondere Gefühl, an solchen Orten unterwegs zu sein, möchten wir all unseren Teilnehmern mitgeben und dabei die Wildheit der Natur erhalten sowie ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Wichtigkeit in ihrer Erhaltung liegt.

Dort, wo wir unterwegs sind, so wenig wie möglich Einfluss auf die Natur zu nehmen, haben wir im LWA-Naturschutzkonzept niedergeschrieben und verpflichten alle Teilnehmer unserer Mehrtageskurse und Expeditionen auf die dortigen Richtlinien.

Abstieg aus den isländischen Highlands © Land Water Adventures
Wilde Flussläufe sind besondere, unberechenbare und schützenswerte Orte

Darüber hinaus sehen wir uns in der Verantwortung als Unternehmen, auch anderswo zum Erhalt der Wildheit und Unberührtheit der Natur beizutragen, und haben hier unser Augenmerk auf die letzten Wildflüsse Europas gerichtet. Unsere Motivation dafür haben wir in einem Interview mit der EuroNatur Stiftung ausführlich erklärt und lassen hier nun Susanne dazu einmal ausführlich zu Wort kommen.

Warum uns die letzten Wildflüsse Europas brauchen

LWA Ansprechpartnerin Naturschutz, Susanne Blech © Land Water AdventuresÜber die Autorin:


Susanne war viele Jahre Teil von Land Water Adventures als Guide für Wildwasser und Expeditionsstil, Tourentwicklerin, Ansprechpartnerin für Naturschutz, Expertin für Umwelt und Wildnis, sympathisches, wandelndes Naturlexikon stieg nie ohne Kaffee aus dem Zelt.


Es ist für uns schwer vorstellbar, dass ein so bekannter, einmaliger und malerischer Ort wie der Oberlauf der Soča beinahe im großen See eines Staudamms verschwunden wäre. Fast hätte damit auch dieser Abschnitt der Soča das Schicksal so vieler Flüsse im energiehungrigen Europa geteilt. Wären da nicht die vielen Stimmen gewesen, die rechtzeitig aufschrien.

LWA Naturschutz © Land Water Adventures
Ein faszinierender Baum am Oberlauf der Soca

Unter den Stimmen waren auch die zahlreichen Wassersportler, die jedes Jahr an diesen besonderen Ort pilgern. Ihre wirtschaftliche Bedeutung vermochte dem Schutz der wilden Perle an Gewicht zu verleihen und so sind die Pläne für die Konstruktion der Staudämme vorerst in einer Schublade verschwunden.

Zumindest für den Moment darf der Oberlauf der Soča seine Wildheit behalten und Naturliebhaber wie Wassersportler finden hier weiterhin einen einmaligen Erholungsort. Das alles spielte sich vor wenigen Jahren ab. Dabei genießen nur wenige der letzten Wildflüsse eine Aufmerksamkeit wie die Soča.

Auch uns von LWA liegt viel am Erhalt dieses besonderen Flusses. Aber wir wollen darüber hinaus auch den Blick auf andere bedrohte Flüsse richten.

Die Macht der wilden Ströme

Ein Wildfluss-Nationalpark in Europa, so lang wie ein ganzer Strom und so wichtig wie ein Meeresschutzgebiet. Warum gibt es das eigentlich noch nicht? Die Idee zu diesem symbolträchtigen Vorhaben wurde in der Not geboren. Denn, wie so viele Flüsse auf dem Balkan, läuft auch der mächtige Strom der Vjosa Gefahr zerschnitten zu werden.

Europas letzte unberührte Flüsse sind akut bedroht von einem am Reißbrett entworfenen Staudammboom. Circa 3.000 neue Staudämme sind in der Region geplant, einige davon in Nationalparks. Sie sollen die etwa 1.000 bereits gebauten Exemplare ergänzen. Die Zweifel am volkswirtschaftlichen Nutzen dieser international finanzierten Großprojekte finden kaum Gehör und so schreitet die Zerschneidung der Flüsse unaufhaltsam voran. Ein Energiegesamtkonzept scheint es nicht zu geben und NGOs zufolge soll sogar ein Großteil der gewonnenen Energie exportiert werden.

Bedroht durch den Staudammboom ist auch die majästätische Vjosa, ein bislang weitgehend ungezähmt mäandrierender Strom, der seinen Ursprung in Griechenland hat und im Süden Albaniens ins Mittelmeer mündet. Musiker schreiben Lieder über sie, Mädchen werden nach ihr benannt und nun bemühen sich NGOs wie Eco Albania, Riverwatch und EuroNatur um den Erhalt ihrer wilden Schönheit. Sie planen an diesem Ort etwas, das es so noch nicht gibt: den ersten Wildfluss-Nationalpark.

Der Funke ist inzwischen übergesprungen und hat auch das Unternehmen Patagonia dazu bewegt, die Bemühungen zu ihrem Schutz zu unterstützen. Dieser Initiative haben wir uns angeschlossen. Ganz im Sinne des Abenteuergeistes von LWA. Wir finden die Idee eines Wildfluss-Nationalparks einfach stark!

Mit der Kraft des Wassers

Ungebändigte Ströme sind selten. Wir haben in Europa und der Welt viele der großen Lebensadern zerschnitten und eingedämmt, um sie schiffbar zu machen und ihre Energie zu nutzen. Von der einfachen Mühle der vorindustriellen Zeit bis zur hoch aufragenden Staumauer dienen viele Flüsse als Energielieferant und Transportweg. Zerschnitten und eingedämmt, angereichert mit schädlichen Stoffen, aufgebraucht und leer gefischt, sind sie längst keine Heimat mehr für so beeindruckende Arten wie die wandernden Lachse und Störe. Manch kraftvoller Strom ist an seiner Mündung nur noch ein Schatten seiner selbst.

Der Eingriff in die Dynamik der großen Ströme zerstört komplexe Ökosysteme und verursacht Folgeschäden, die nicht immer unmittelbar sichtbar oder wirtschaftlich spürbar werden. Die Natur der Lebensadern Europas gibt vielerorts ein ernüchterndes Bild ab und Kinder wachsen auf, ohne die Tiere zu kennen, deren Heimat die großen Flüsse wären. Mancherorts wird viel Geld in die Hand genommen, um Flussabschnitte zu renaturieren. Es ist ein Versuch, dem Fluss einen Teil seiner einstigen Freiheit zurück zu geben. Bis zur nächsten Staustufe.

Als Packrafter und Naturliebhaber wird man unweigerlich hellhörig, wenn von einem ganzen Staudammboom die Rede ist. Und es taucht die Frage auf, ob wir heute nicht in der Lage wären, technisch auch andere Wege zu beschreiten, bevor wir die letzten ökologisch intakten Wildflüsse in eingedämmte Stauseen verwandeln. Es geht keineswegs darum Entwicklung zu verhindern, sondern um ein nachhaltiges Energiekonzept und den Erhalt kostbarer Landschaften für die Generationen die nach uns kommen.

Warum LWA „Save the Blue Heart of Europe“ unterstützt

Wir packraften bevorzugt dort, wo wir ein bisschen mehr auf uns selbst gestellt sind und die Natur ein bisschen ungezähmter ist, als man das im Alltag gewohnt ist. Diesem Abenteuergeist wollen wir nicht nur in weiter Ferne nachgehen. Und so ist es uns ein Anliegen, Bestrebungen zum Schutz wilder Flusslandschaften zu unterstützen, dort, wo es sie noch in unserer Nähe gibt. Mancherorts müssen diese Bestrebungen einen besonders langen Atem haben.

Dann nämlich, wenn es darum geht, überhaupt erst einmal die rechtliche Basis zu schaffen, dass der Erhalt der Natur von Bedeutung ist. Indem wir die Arbeit von EuroNatur unterstützen, möchten wir unseren Teil dazu beitragen, dass in den betroffenen Ländern notwendige Voraussetzungen für den Erhalt von Wildnis geschaffen werden können. Dazu zählen Grundlagen, wie beispielsweise Umweltverträglichkeitsprüfungen, die einen gesetzlichen Rahmen bieten, ökologische und volkswirtschaftliche Aspekte in die Planung mit einzubeziehen.

Das Vorhaben von Euronatur ist ein langwieriger Prozess, der eines langen Atems bedarf. Umso wichtiger erscheint es uns daher, hier zu investieren. Und so geht ein Prozent der Erlöse aus den Teilnahmegebühren unserer Wildwasser-Kurse im Soča-Tal und in Tirol an die Kampagne zum Schutz der Wildflüsse Südosteuropas „Save the Blue Heart of Europe“. Unsere erste Spende und der Beginn der Unterstützung war unser Saisonabschluss 2018 mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Mehrtageskurse und Expeditionen.

Lagerfeuerabend Saisonabschluss 2018 © Land Water Adventures

Wir sagen noch einmal Danke und freuen uns schon auf viele weitere gemeinsame Abenteuer in den wilden Wellen von Lech, Isar und Soča!

Interessante Links zum Weiterstöbern

Homepage der Kampagne „Save the Blue Heart of Europe“:

www.balkanrivers.net

Gefahren für die Soča:

https://www.euronatur.org/aktuell/detail/news/slowenisches-flussjuwel-in-gefahr/

https://vimeo.com/172868996

Arte Doku über die Vjosa

https://www.youtube.com/watch?v=KT67xuND62s

Ein Bericht von Alpacka auf der Vjosa:

https://www.alpackaraft.com/rafting/vjosa-river/

Patagonias Film zum Thema, den Trailer hat LWA beim Saisonabschluss 2018 gezeigt:

https://blueheart.patagonia.com/intl/de/discover

Riverwatch macht Fortschritte:

https://riverwatch.eu/en/general/news/albanian-court-stops-dam-project-vjosa

Detaillierte Infobroschüre von Euronatur und Riverwatch:

www.euronatur.org/fileadmin/docs/projekte/Balkan_Rivers_Blaues_Herz_Europa/Blue_Heart_Kampagnenbroschuere_2015_2.pdf

Film über den Staudammboom und die Gefahr für Wildflüsse: „Save the Balkan Rivers: Threats“

www.youtube.com/watch?v=Kbf0MrD_Z20&list=PLih9_fGEruL7rvkb-sZXltPS5RbjvcjPI&index=2

Interessanter Kurzfilm über Kajak-Aktivisten, France 24 (Englisch)

https://www.youtube.com/watch?v=FFkNISV9NUk

Bericht über eine mehrwöchige Recherchereise zu Pferd und im Packraft entlang der Vjosa:

https://www.packrafting.de/2018/04/aus-dem-sattel-ans-paddle-mit-vereinten.html

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